Bundesstrassen, hier: B 13 und Denkwürdigkeiten an ihr







Stereotyp beginnen alle Beschreibungen meines früheren Wohnortes:

    Merkendorf liegt an der Bundesstraße 13.

Die B 13 verbindet die Regierungsbezirke Unter- und Mittelfranken als bayerischer Meridian mit der Landeshauptstadt.

Die Kennzeichnung von Bundesstraßen regelt § 42 der Straßenverkehrsordnung in (8): Kleine, schwarzumrandete, gelbe Tafeln mit der Nummer in schwarzer Schrift. Seit 1932 sind an Gesamtdeutschland durchquerenden Straßen Schilder mit einem R für Reichsstraße und einer Nummer angebracht, ab 1934 in Gelb. Zwei- und dreistellige Straßennummern sind systematisch von Süd nach Nord und West nach Ost geordnet. Nr. 328 bis Nr. 432 dienen bis 1945 ausschließlich für angegliederte Gebiete und Verbindungswege dorthin.

Wegen des Baus der Autobahn von Würzburg nach München hat die Trasse ihre Bedeutung als großräumige Verbindungsachse verloren.



Sie beginnt in Würzburg, Bischofsresidenz und Bezirkshauptstadt, durchquert viele bayerische Stadt- und Landkreise und endet am Ufer des vor 50 Jahren aufgestauten Sylvensteinsees, in dem das Dorf von Ganghofers Jäger, Fall, damals versank.



Am Main entlang trägt die Teilstrecke bis Ochsenfurt den Namen "Bocksbeutel-Straße". Bocksbeutel ist eine gedrückte, runde, nach Art des Beutels oder Hodensacks der Böcke geformte Flasche zum Einfüllen und Versenden des Steinweins, die der Rat der Stadt Würzburg 1726 als Gütezeichen gegen Weinpanscherei bestimmt.



Diesem Qualitätsmerkmal fühlen sich fränkische Winzer noch heute verpflichtet.

Nachdem die Autolenker aus dem Maintail kommend zur Anhöhe gelangt sind, müssen sie ihr Fahrzeug um die Mautpyramide von Gnodstadt steuern.



Eine befestigte Chaussee, erstes Teilstück der B 13 zwischen Ansbach und Würzburg, läßt der Markgraf von Ansbach und Bayreuth ausbauen; auf der Stelle mit den Koordinaten 49° 37' N, 010°07' E errichtet er zum Abschluss der Maßnahme 1771 einen Obelisken, in dessen Sockel gemeißelt ist:

Denkmal
für die hier
vom besten Fürsten und Herrn
Herrn
Christian Friedrich
Carl Alexander
Brandenburgischen Markgraf
nicht
mit den
Steuern der Untertanen
sondern mit eigenem Geld
errichteten königlichen Straßen

Woher die eigenen Mittel des bescheidenen Fürsten denn stammen, verschweigt die Inschrift.



Das hohenzollernsche Markgrafentum Ansbach endete hier an der Grenze des Fürstbistums Würzburg, das Zollhaus daneben ist verschwunden, dort, wo heute die Grenze zwischen Unter- und Mittelfranken verläuft. Schnurgerade hat der Fürst die Trasse ziehen lassen von seinen Landvermessern über die Felder der Untertanen, Kirchturm auf Kirchturm in Deckung gebracht in seinen fränkischen Dörfern.



Streit gibt es um das historische Denkmal. Es soll die Mitte eines Kreisverkehrs - wie Wolfram in Eschenbach - zieren. Ein paar Meter weiter müßte dann aber das Artefakt verschoben werden, von Unterfranken nach Mittelfranken, was die Dortigen erfreut, den anderen aber wäre ihre Pyramide auf kaltem Weg genommen...

Die Straße führt durch des Markgrafen fränkisches Kernland über die Frankenhöhe zu seiner einstigen Residenz Ansbach, heute Regierungshauptstadt.



Vorher aber passiert die Bundesstraße noch Strüth, nachher Triesdorf und Gunzenhausen, wo Lust- und Jagdschlösser für des fränkischen Fürsten Leidenschaften stehen...

Aber auch andere Bewohner sah Strüth, ehemals Lungenheilstätte, heute die Rangauklinik für Pneumonologie und Onkologie.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg siedelten hier protestantische Exulanten aus dem Salzburger Land, vom Ende des 2. Weltkriegs erzählt Rafi Ben Zur:



... story begins when that ghetto Budapest was freed by the Russian troops... I was 14, my brother 13, totally alone, in the middle of chaos, not knowing what to do... Later on, we were collected by the Dror Habonim zionist movement ... The organization ... fed us until we became human beings again (we were only skeletons after the war)...
On December 1945, eleven months after our escape from ghetto Budapest, we were on the move again, this time to Germany. This Germany was so much different from the one we suffered from. This Germany was burned down to the foundation. It was a defeated country with a completely demoralized people.

We were brought to the sanatorium Strueth...
In this children's camp, we were occupied by all kind of activities to prepare ourselves for the life in a kibuz in Erez, Israel (Palestine). We built roads, we milked cows, we did all the cleaning jobs, in short, we learned to respect work itself.




Und Louis Jagerman schreibt:
With my family, I stayed in the DP camp... from late 1949 to May 1950.
During the war, it was used as a German military headquarters, and after the war it had been used as an American military facility, then as a camp for children on their way to Palestine-Israel around 1947-1948, and then as a camp for immigrants to the USA around 1949-1950.
When I stayed there, it was a remarkably pleasant place, in part because of its scenic location and, more importantly, because it offered tremendous relief for my parents after the war. Though I was about 9 years old then, it was clear to me that the occupants, all Holocaust and WW II Survivors, to the best of my recollection, enjoyed a degree of freedom, prosperity and personal safety that had eluded them for many years.




Wo im "Haus des Gastes" bis 1939 die "Gunzenhäuser Casinogesellschaft" und heute die Volkshochschule ihren Sitz hat, residert lange Zeit Johann Reichardt, der "Goldmacher". Der Gastwirtssohn lebt von 1896 bis 1974, Metzger, wird im Selbststudium Heilpraktiker, hat eine große Praxis ("Drachenblut" das beliebteste Mittelchen, ein hochprozentiger Likör) und betätigt sich als "Ausdruder", gründet die CSU mit, sitzt im Stadtrat und Kreistag. Und der Reichardts Hans, erzählen die Leute, besaß einen Zauberspiegel, in dem er Diebe sieht und konnte Leute verhexen, die unerlaubt in seinen Büchern lesen. Und als sein Esel einmal nicht fressen wollte, brachte ihn der Knecht zu seinem Herren ins Café, wo der saß mit den Honoratioren der Stadt; er fraß und die Kellnerein musste den Eselsdreck in der Gaststube wegmachen.


1925 zieht Kaufmann Gauckler eine Efeuwurzel aus der Stadtmauer, wobei sich ein Stein löst und eine Phiole herausfällt. Reichardt, zufällig anwesend, findet in der Phiole drei weitere kleine Phiolen mit Olivenöl, grauem und schwarzen Pulver und einen handschriftlichen Zettel: Nimm 7 Gramm Plumbum, geuß darauf die schwarze Materie und die Flüssigkeit in einen Stein. Dann nimm Dein Feuer hervor, und schmelze es. Hierauf nimm die weiße Materie und die Verwandlung des Plumbum ins Sol ist vollendet.
NB. Operiere an einem abgelegenen Ort und verwahre Dein Augenlicht.
Inhalt drei Spezies.




Ergebnis des im Labor Höß unter Zeugen durchgeführten Experiments: Plumbum hat sich in reinstes Aurum verwandelt.
Die Höhere Technische Lehranstalt Nürnberg soll Versuche erfolgreich durchgeführt haben, Zeitgenossen hoffen gar, mit dem alchemistischen Gold Weltkriegsreparationsforderungen zu begleichen. Betrüger finden offene Ohren und Brieftaschen, Reichardt aber schafft es nicht, das schwarze Lebenselixier-Pulver herzustellen. Auch in den Manuscripta Mea Pract./ I.C.R. Chirurgus et Balneator in Merano /Anno 1726 findet er die Rezeptur nicht, das Buch ist verschwunden.

Dem Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich zu Brandenburg-Ansbach war das Haus mit großem Garten Sommerresidenz, von wo er in die umliegenden Waldungen und ins Altmühltal auf die Pirsch ging.




Den Main und die Fränkische Rezat hat die Bundesstraße auf Brücken überquert, in Gunzenhausen ist sie auf den Limes und die Altmühl getroffen, verläuft dann unweit des Flußtals über Weißenburg in Bayern zur Domstadt Eichstätt und überqert auf der Glacisbrücke in Ingolstadt die Donau.



Und in München heißt sie "Leopoldstraße", quert den Mittleren Ring und führt als "Tegernseer Landstraße" hinaus durchs Alpenvorland nach Bad Tölz. Entlang des Oberlaufs der Isar über Lenggries führt die B 13 dann zur österreichischen Grenze und findet nach 342 Kilometern an der Bundesstraße 307 ihr Ende.



Flüsse haben auch den seit 1806 bestehenden Bezirken den Namen gegeben, als Minister Maximilian Graf von Montgelas die kurpfalzbayerischen Behörden grundlegend reformiert. Er vereinheitlicht eine aus different historischen Provinzen stammende höchst unterschiedlich organisierte Staatsverwaltung:

  • Altmühlkreis
  • Eisackkreis (Südtirol war bayerisch!)
  • Etschkreis (Südtirol war bayerisch!)
  • Illerkreis
  • Innkreis (war bayerisch!)
  • Isarkreis
  • Lechkreis
  • Mainkreis
  • Naabkreis
  • Oberdonaukreis
  • Pegnitzkreis
  • Regenkreis
  • Rezatkreis
  • Salzachkreis (Salzburg war bayerische Provinz!)
  • Unterdonaukreis.
Später reduziert sich ihre Zahl auf acht Bezirke und König Ludwig I. verfügt 1837, dass sie volksstammbezogene Namen erhalten. Seitdem heißt



der Isarkreis
der Unterdonaukreis
der Regenkreis
der Obermainkreis
der Rezatkreis
der Untermainkreis
der Oberdonaukreis
der Rheinkreis
Oberbayern
Niederbayern
Oberpfalz und Regensburg
Oberfranken
Mittelfranken
Unterfranken und Aschaffenburg
Schwaben und Neuburg
Pfalz

Seitdem 1945 die Pfalz aus bayerischem Staatsgebiet ausschied, sind die Regierungsbezirke (mit leichten Gebietsänderungen 1972), sieben an der Zahl, tief im Bewußtsein der Bewohner Bayerns verankert.



An der B 13 ist das Bomhard-Gymnasium Uffenheim ein bekanntes Gymnasium, aus dem erlauchte Persönlichkeiten hervorgingen. Ein Theater der besonderen Art ist das Torturmtheater Sommerhausen an der B 13. Ein fränkisches Vogel- und Segelparadies ist der Altmühlsee an der B 13. Ein berühmtes Deutschordensschloß mit Ostpreußenzentrum an der B 13 ist Ellingen. Aber all das das sind andere Fundstücke...