Anton Günther

Kennen Sie den Erfinder der Liedpostkarte?
Es ist Anton Günther, der Liedermacher aus Gottesgab. Er bannt 1895 ein komplettes Lied (wenn auch noch ohne Noten: „Drham is’ drham“) auf eine Postkarte. Um die 160 solcher Karten gibt es von ihm.

Anton Günther, 1876 in Gottesgab, Böhmen (Boží Dar) als Sohn und eines von 10 Kindern eines Weißwarenstickers und Zeichners geboren, verbringt dort auch seine Kindheit.

Der Vater verdient sich durch Musizieren zu seinem kargen Lohn Geld hinzu und führt den Sohn früh an Gesang und Liedgut seiner Heimat heran.
"Ich habe weder studiert, noch Musik erlernt, bloß beim alten Süß Julius und später beim Vetter Traugott habe ich die Noten und etwas Geige spielen gelernt". Gitarrespielen bringt er sich selbst bei.
Ziegenhüten, Holz aus dem Wald schleppen, Pilze und Beerensammeln machen ihm schon als Kind mit jeden Fleckchen seiner Heimat vertraut. Täglich muss er zwei Mal auf dem Schulweg von 5 km nach Joachimstal einen Höhenunterschied von 400 Metern überwinden.

Aus Liebe zur Natur will Anton Förster werden, aber sein Zeichentalent und die Sorge um die Familie führen ihn ins sächsische Buchholz (heute zu Annaberg gehörig) zur Lehre beim Lithografen Ed. Schmidt. Ab 1895 ist er bei der k. und k. Hoflithographie-Anstalt A. Haase in Prag. Das Heimweh nach den Bergen und Wäldern lässt ihn zum Dichter werden. Reglmäßig trifft er sich mit in Prag lebenden Gottesgabern und böhmischen Erzgebirgern zum „Guttsgewer Obnd“ (Gottesgaber Abend). 1895 schreibt er eines seiner bekanntesten Lieder: „Drham is’ drham“ (Daheim ist daheim).
Sein Kommentar:
"Mir war als sei mir ein Stein vom Herzen gefallen."
Die große Resonanz bringt ihn auf die Idee, es auf Lithographie-Stein zu zeichnen, statt den Text zum Weitergeben immer wieder abzuschreiben, und lässt es als Postkarte drucken.

1901 Rückkehr nach Gottesgab, er muss sich um Familie und Geschwister kümmern. Die kleine Landwirtschaft reicht nicht zum Unterhalt, Günther tritt als Sänger und Musiker auf und verkauft seine Liedpostkarten im Selbstverlag. 1908 heiratet er die Zimmermannstochter Marie Zettl. Sie bekommen drei Kinder.

Im Erzgebirge, beliebt als Urlaubs-, Kur- und Wintersportregion, laden Gaststätten und Vereine Günther zu Unterhaltungsabenden für Einheimische und Gäste ein (Fichtelberg, Oberwiesenthal, Breitenbach ...). Der Erfolg ist groß, seine Einnahmen bringt Günther in eine Stiftung ein, die Kranke, Alte und Arme in seinem Heimatort unterstützt: Tolerhans-Tonl-Stiftung.
Im ersten Ersten Weltkrieg kämpft Günther als österreichischer Soldat an der serbischen Front.

Gründungspräsident der CSR, Masaryk 1919:
„Unsere geschichtlichen Grenzen stimmen mit den ethnographischen Grenzen ziemlich überein. Nur die Nord- und Westränder des böhmischen Vierecks haben infolge der starken Einwanderung während des letzten Jahrhunderts eine deutsche Mehrheit. Für diese Landesfremden wird man vielleicht einen gewissen modus vivendi schaffen, und wenn sie sich als loyale Bürger erweisen, ist es sogar möglich, dass ihnen unser Parlament irgend eine Autonomie bewilligt. Im übrigen bin ich davon überzeugt, daß eine sehr rasche Entgermanisierung dieser Gebiete vor sich gehen wird.“
Die Nachteile in der neu entstandenen Tschechoslowakei für Millionen "Sudetendeutsche" verletzen den heimatverbundenen Künstler, sind auch Gegenstand seiner Lieder. Schon 1908 dichtet er auf die sich abzeichnenden nationalen Spannungen „Deitsch on frei wolln mer sei!“ - (inoffizielle) Nationalhymne der Erzebirger.

Auch nach dem Krieg bleibt der Sänger und Unterhalter Anton Günther beliebt, ebenso seine Lieder. Engagements in Berlin, Wien und Dresden, Schellack-Schallplatten ...
Von den Nazis lässt Günther sich trotz deren Werbens nicht vereinnahmen, vielleicht auch deswegen nimmt er sich, zunehmend schwermütig 1937 das Leben.

In seinem letzten Brief an einen Freund schreibt er:
"... weil ich eben gesundheitlich nicht beisammen bin, ... was sonst die Verhältnisse anbelangt, nun, da sieht es garnicht so rosig aus, denn auch wirtschaftlich habe ich eben tüchtig zu leiden und durch allerlei Schicksal bin ich recht gehemmt in allem."
Am 29.April 1937 scheidet der Tolerhanstonl freiwillig aus dem Leben. Das ganze Erzgebirge trauert. Tausende begleitet Anton Günther auf seinem letzen Weg. Unter den Klängen seines Feierohmdliedes wird er am 2.Mai 1937 in heimatliche Erde gebettet.

Sein Grab samt der 1937 angebrachten Grabplatte ist - im Gegensatz zu den Gräbern vieler Deutscher - erhalten.

"... jene Gestalten, die ich in meinen Liedern besungen habe, von Berg und Tal, aus Wald und Feld, aus unseren armen Hütten, die ganze Heimat mit ihren göttlichen Schöpfungen, alles das wird Euch aus meinen Liedern entgegenklingen und dankbar zujubeln, auch wenn ich nicht mehr bin....."

Überall im Ergebirge und Umgebung finden sich Gedenksteine, Straßen, Plätze und Wege mit dem Namen des bekanntesten Heimatdichters der Region. Mit den auch heute noch oft gesungenen Liedern hat er sich in die Herzen der Erzgebirger gesungen. Und sie laden seine Songs unermüdlich hoch in youtube ...

Von Oberwiesenthal nach Boží Dar führt der Anton-Günther-Weg durch den Zechengrund, schmal und steil und im Winter deshalb nicht ganz ungefährlich. Aber ein wunderbarer Wanderweg im sächsisch-böhmischen Grenzgebiet auf den Spuren von Anton Günther.

Arzgebirg, wie bist du schie!

O Arzgebirg, wie bist du schie,
mit deine Wälder, ihr Wiesen, Barg on Tol,
in Winter weiß, in Sommer grü.
O Arzgebirg, wie bist du schie!
Be Regn on Sonnenschei, öb's stöbert, störmt on schneit.
be Tog on Nacht, obnd oder früh,
wie haamlich klingst du doch, du deitsche Mottersproch!
O Arzgebirg, wie bist du schie!

In Frügahr, wenn der Schnee zetaat,
de Wasserle fließen, de Beer blüht in der Haad,
wenn's sommt on singt in aller Früh.
O Arzgebirg, wie bist du schie!
Be Regn on Sonnenschei, öb's stöbert, störmt on schneit.
be Tog on Nacht, obnd oder früh,
wie haamlich klingst du doch, du deitsche Mottersproch!
O Arzgebirg, wie bist du schie!

On wenn de Schwarzbeer zeitig sei,
de Saasen klinge, wie duftig richt nort's Hei,
nort ka mer in de Schwamme gieh.
O Arzgebirg, wie bist du schie!
Be Regn on Sonnenschei, öb's stöbert, störmt on schneit.
be Tog on Nacht, obnd oder früh,
wie haamlich klingst du doch, du deitsche Mottersproch!
O Arzgebirg, wie bist du schie!

In Herbist is su still on leer,
is Hei on Haazing rei, rut glüht de Vugelbeer,
nort ka mer wieder hutzen gieh.
O Arzgebirg, wie bist du schie!
Be Regn on Sonnenschei, öb's stöbert, störmt on schneit.
be Tog on Nacht, obnd oder früh,
wie haamlich klingst du doch, du deitsche Mottersproch!
O Arzgebirg, wie bist du schie!

On kömmt de liebe Winterschzeit,
nort liegt in Frieden de Haamit tief verschneit,
mir fahrn mit Schneeschuh drüber hie.
O Arzgebirg, wie bist du schie!
Be Regn on Sonnenschei, öb's stöbert, störmt on schneit.
be Tog on Nacht, obnd oder früh,
wie haamlich klingst du doch, du deitsche Mottersproch!
O Arzgebirg, wie bist du schie!

On wenn ich ve dir scheiden muß,
gilt dir ven Harzen der letzte Abschiedsgruß,
ze dir do zieht mich's immer hi.
O Arzgebirg, wie bist du schie!
Be Regn on Sonnenschei, öb's stöbert, störmt on schneit.
be Tog on Nacht, obnd oder früh,
wie haamlich klingst du doch, du deitsche Mottersproch!
O Arzgebirg, wie bist du schie!