Nur die Phantasielosn flüchtn in die Realität;
(und zerschellen dann, wie billich, daran)







Enttarnung eines intellektuellen Schaumschlägers
einexerziert bei Großen TaschntuhchFabrikn
Kriegstragödie Niederschlesien









Wer in Görlitz auf der Autobahn Richtung Breslau über die Grenze fährt und bei der ersten Ausfahrt abbiegt, gelangt nach etwa 20km auf der 30 nach Lauban, heute Lubań, eine polnische, früher deutsche Stadt.




Reichspropagandaminister Joseph Goebbels

zelebriert hier, als Walter Nehring, Kommandierender General, Lauban im März 1945 kurzzeitig von der Roten Armee zurückerobert, mit Durchhalteparolen seinen letzten Wochenschauauftritt.

Im Heimatmuseum von Lauban ist 2013 diese

Intallation

zu sehen



An einem kurzen Stadtmauerstück entlang gelangen wir zum Salzhaus und dem Haus unter dem Schiff mit einem Dreimaster-Relief über dem Eingang.





Interessant ist das kleine Heimatmuseum



im schön restaurierten Rathaus.







Die Kursächsische Postditanzsäule, auf dem Markt 1725 aufgestellt, hatte die Aufgabe eines Wegzeigers mit Entfernungsangaben.

Brüder-, Rathaus- und Triniter Turm sind gut instandgesetzt.





Laubans Textilindustrie stellte 95 % aller Taschentücher her und warb mit dem Slogan: "Lauban putzt der Welt die Nase!"

Schon von weitem grüßen Türme aus der Stadt mit 25.000 Einwohnern. Sie lockt Investoren mit der geringen Entfernung zu Tschechien und Deutschland.
Lauban liegt an der alten VIA REGNA, der ältesten und längsten Landverbindung zwischen Ost- und Westeuropa, die seit mehr als 2.000 Jahren mit 4.500 km Länge 8 europäische Länder verbindet, Sinnbild der friedlichen Einigung Europas.
Den höchsten Turm hat die neugotische, aus Ziegeln gebaute Dreifaltigkeitskirche von 1861. Martin Margraff, ein Künstler aus München schafft den Hauptaltar, zwei Nebenaltare und die Kanzel.













Die "Sechsstädte" sind fester Begriff sächsicher Geschichte und haben mit einem Computerspiel nur entfernt zu tun.
Lauban gehörte auch zu den "Sechsstädten" - wie Bautzen, Löbau, Zittau, Görlitz und


Kamenz, dessen Bürgerwehr hier 1512 gegen Wegelagerer kämpft.



Arno verbringt 1928 bis 1938 im Haus von Mutter und Großvater in Lauban seine Jugendzeit vom 14. bis 24. Lebensjahr - seine erste Liebe Johanna wohnt in der Brüderstraße.



Arno ist 1914 in Hamburg als Sohn eines Polizisten geboren. Die Eltern stammen aus Niederschlesien, der Vater ist lange Soldat, leistet Dienst zum Teil in China, seit 1911 arbeitet er im hamburgischen Polizeidienst. Als Arno 14 ist, stirbt der Vater, die Witwe stellt fest, dass der ehrenwerte Polizebeamte sie offensichtlich betrogen hat: die Witwenpension ist höher als der Betrag, den ihr der Mann zu seinen Lebzeiten zukommen ließ. Witwe Schmidt zieht mit beiden Kindern zurück ins elterliche Haus nach Lauban
wo Unsere Mutter herstammte. Kleinstadt von 14.000 Einwohnern. Große TaschntuhchFabrikn; Eisenbahn-Ausbesserungswerk. Ich war knapp 15. als Wir hin=zogn. Ich wohnte zwar in Lauban Walkgasse 12; ging aber nach Görlitz auf die Ober=Realschule. Schönes altes deutsches Wort: "Gasse"; zumal bei Mondschein umgemein spitzwegmäßich. Und so war es auch: dädalische IrrGewinde; kurze Tunnel durch die alte StadtMauer. Der "BrüderTurm", und der auf dem Markte: Überbleibsel aus den Hussitenkriegen; L war eine der "Sechsstädte" gewesen, (wie LESSING's kamene auch). Östlich des Städtchens floß der »Queis"; (Uraller slawischer Boden: der "Zischende").

























Die Pensionsberechtigung durch Wiederverheiratung zu riskieren hat die Mutter keine Lust, wohl aber auf Liebesaffären. Arno notiert 1950, sich an die Konfrontation als Jugendlicher mit ihrem üblen Ruf erinnernd, dass dies meine ganze Jugend während der Laubaner Jahre vergiftet hat. Meine Eltern waren mein Fluch! Aber meine Mutter am meisten!!
So vergiftet scheinen die Laubaner Jahre aber nicht gewesen zu sein...
"Und wieso hat nu grade dieses Lauban=Görlitz in Dei'm Lebm solche Epoche gemacht?" "nu weil Dre er Ei, gleichviel wo man sich aufhält, gemeinhin in diesen Jahren zu fallen pflegt: Also einmal meine erste intensive Berührung mit der Natur; mit der Literatur; und endlich mit der Liebe."
Wenn ich ebm "Natur" sagte, dann mein' ich ganz einfach simple Kombinationen von (Nadel)Wald; Wässerchen; sanfte Hänge, wie's in mei'm LieblingsWäldchen, dem



"NonnenBusch", nördlichlich des Städtchens war.
... der, zuerst gahaßte & mühselige Weg zum Bahnhof; den ich mir aber der Not gehorchend, sehr bald zum BilderSammeln umschuf: SonnenAufgänge; blitzend grün im Sommer, sternschwarz oder rosoweiß im Winter. Da ward das kalte Mondgesicht mir treu; der quietschende Schnee...
Der Bahnhof: schön irrsinnig nach den Richtlinien von 1890 erbaut, aus jenen spezifischen amtlichen Ziegeln mit unnachahmlichen Fialen, auf dem Bahnsteig blies der Wind an den runden Eisensäulen; schön war draußen der leere hellgraue Platz.
Schönbrauige Schulmädchen mit glatten Gesichtsgeheimnissen, ernste unbewegliche Augen; sandfarbene Bubiköpfe drehten sich auf dünnen Hälsen, während die Porzellanhand Englischklein schrieb, ins blaue Heft. (Nun noch etwas Morgensonne drauf! Die Schulaufgaben schienen noch ziemlich dieselben zu sein: Kurvendiskussionen, Galsworthy, WärmeWien und "Hastum viertn Akt gelesen?


Bei dem





Bahnhof in Lauban

liegt Arno ebenso falsch wie mit seinem eigenen Geburtsjahr, das er nur um 4 Jahre zurückdadierte, den Bahnhof um ein paar Jahrzehnte nach vorn, er ist nicht nach den Richtlinien von 1890 gebaut, sondern sah schon 1865 so aus, und Fialen waren dort nie vorhanden.
Auch an der Angabe seiner Straße in Lauban sind Zweifel angebracht, seine Mutter ist eine geborene Ehrentraut: nur in der Wallstraße wohnt in jener Zeit ein Ehrentraut, nicht aber in der Walkgasse.



Ohne landsmannschaftliche literarische Größen tut's Arno nicht:
wir stammen vielmehr aus den sogenannten "Lausitzen" (und da wird Einem ja gleich wohler, wenn man so entfernt zu LESSING gehört und zu SCHEFER... es ist schlechthin läpisch, vertuschen zu wollen, daß LESSING im Slawischen einen "Förster, Hegemeister" bedeutet, und Kamenz eben schon im Namen seinen steinigen Boden anzeigt. Ich selbst stamme mütterlicherseits von Vorfahren aus Tschirne, was ja von "Schwarzwasser" kommt.
Als wenn die Erde nicht groß genug wäre, daß wir alle darin Unrecht haben könnten.

Dann kommen die Gene ins Spiel:
Vielleicht bin ich von der Mutter ausdrücklich als 1 Gefäß für Worte angelegt, in dem es schtändich probiert & rührt & kommbieniert?
Und endlich wird's blaublütig:



Der Mond grinste gequält in den wolken,
wind lief mit geschrei schwarz auf rauebersteigen,
arno schmidt, ein fremder Prinz aus dem buecherlande
umging den Steinberg




Sie haben es sicher längst erraten:
Gemeint ist nicht Münchhausen, sondern es geht um Arno Schmidt, den nach eigener und seiner Gemeinde Einschätzung größten deutschen Autor des (letzten) Jahrhunderts.
Diese durch nichts zu bannende Prahlsucht durchzieht sein Gesamtwerk, das von sachlichen und Übersetzungsfehlern und Unrichtigkeiten nur so strotzt.
Schmidteist ist, wer "ZT" als Initiationsritus gelesen hat, sonst gehört er nicht dazu.
[Verstehen muss man ihn nicht, es sei denn, man gehört zu den allenfalls 400 Lesern, die ZT verstehen können - meint AS].
Die Rituale der hermetischen AS-Fan-Community sind wie die aller Angehörigen von Sekten und sonstigen radikalen Außenseitergemeinschaften seltsam und kaum nachvollziehbar, Spaß verstehen sie schon gar nicht.

Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,
Gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide.

Schmidtglieder der Gemeinde des demonstrativ Ungläubigen werden Sie sofort verstehen, wenn man von "ZT" spricht, womit der ungeheuer große und wirre Schinken "ZETTELS'S TRAUM" gemeint ist, mit dem AS James Joyce imitiert (sein "Ulysses" schildert einen Tag im Leben eines jüdischen Anzeigenverkäufers in Dublin) und sich zur erotischen Marienbader Höhenlage Goethes (Altersdifferenz 54) aufschwingt. Der TRAUM spielt an einem Tag in der geweihten Stätte Bargfeld, besteht hauptächlich aus übler Nachrede und dem sinnlichem Begehren zwischen der aufgewanzten 16jährigen Pagin Franziska und dem hochgelahrten Stecher (Altersdifferenz 42), Edgar Allen Poe wird als impotenter, syphilitischer, koprophilen Voyeur mit Neigung zu Kindfrauen analysiert.

Der Kuß, der letzte, grausam süß, zerschneidend
Ein herrliches Geflecht verschlungner Minnen.
Nun eilt, nun stockt der Fuß, die Schwelle meidend,
Als trieb' ein Cherub flammend ihn von hinnen;
Das Auge starrt auf düstrem Pfad verdrossen,
Es blickt zurück, die Pforte steht verschlossen.

Dän Pagenstecher entsagt und verschwindet zur Freiwilligen DorfFeuerWehr.
Name und Motto stammen, wieder dem Meister standesgemäß, aus Shakespeares Zettels, des Webers Sommernachtstraum: Ich hab' ein äußerst rares Gesicht gehabt! ich hatt' nen Traum – 's geht über Menschenwitz, zu sagen, was es für ein Traum war, kaschierend, dass es das willkürlich zusammengekleisterte Konvolut gesammelter 120.000 Schmierzettel eines Handlungsgehilfen darstellt.
Nach erfolgreichem Studium des Werks sind Sie Eingeweihter und Diplom-Etym-Theoretiker (Etym-Theorie=tiefenpsychologisch-spekulatives Theorem), der in jedem Wort sofort unanständige sexuelle Vorstellungen erkennt, etwa in „Pallas“ einen „Phallus“, in „pen“ einen „Penis“, in „true“ (wohl wahr!), in „whole“ ein „trou“ und „hole“ (frz. und engl Loch), in der Silbe „con“ die Vagina (engl.cunt) usw. usf.
Ob Sie sich am Ende eine Krone aufsetzen dürfen, hängt von Ihrem Alter ab.
Denn AS hat neben den drei Instanzen Freuds (Es, Ich und Über-Ich) noch eine 4. psychische Instanz entdeckt, die sich bei intelligenten Menschen (ob er sich dazurechnete?) ungefähr vom 50. Lebensjahr an bildet und die es übernimmt, Sexualität, die real nicht mehr gelebt werden kann, in bewußt schalkhafte Wortspiele zu sublimieren - MRR ist da sicher extrem anderer Ansicht.



Um das Buch - 1970 in Deutschland die literarische Sensation - handlicher zu machen, scannt und verkauft es ein raubkopierendes Berliner Kollektiv, als Piratendruck verkleinert, sehr zum Verdruß unseres Großschriftstellers.
Die Originalausgaben gibt's bei Amazon und Ebay für immerhin 300 € oder mehr ...




Um seine Guru-Biografie und die Legende vom Polyhistor und Vielsprachler zu etablieren, fälscht er zunächst Tatsachen.
Der nie eine Hochschule von innen sah, bescheinigt sich umfassende Bildung, ein abwegiges (man höre und staune: der Astronomie!) doch (wer hat anderes erwartet?) vielseitiges Universitätsstudium, 1933 alias 1934 freiwillig abgebrochen, Geburtsjahr 1910 (tatsächlich 1914).

Durch jede Weitergabe eines Gerüchts wächst dessen Inhalt. So liest man staunend im SPIEGEL 1952:



Wie absolviert Arno 6 Semester Mathematik und Astronomie ohne Examen erfolgreich?
Seine Jünger Reemtsma und Rauschenbach übernehmen den Bären ihres Gurus ungeprüft, den er ihnen später aufbindet:
er habe sich, seiner schlechten Augen wegen, sowieso auf das Studium der theoretischen Astronomie beschränken müssen
... mit zweineinhalb lesen gelernt ...als fünfjähriges Kind an einem 5500 Seiten starken Roman Gefallen gefunden

AS' Übersetzungen sind an Fehlern nicht zu überbieten, seine Englisch-Kompetenz ist wohl weitgehend passiv, eine andere Sprache beherrscht er nicht. Sein Spanisch übertrifft die ersten Fragen von "Wer wird Millionär", wenn er von einem irdischen paraiso terrestro spricht:
4 Fehler in 3 Worten.
1. Zweimal "irdisch"
2. es hieße, wenn es so hieße "terrestre"
3. es müsste "terrenal" heißen
4. es müsste "paraíso" lauten.



Warum ließ der Guru sich nicht blicken?
Angst, dass ihn ein Veterinär exakt diagnostizieren (oder gar therapieren und "als geheilt" entlassen: Ana moo-moo) könnte?

Siehe da, was in Wiki zu finden ist:



Wenn Sie das alles neugierig gemacht hat, abbonnieren Sie - neben der Zeugenzeitschrift "ERWACHET" - den "Bargfelder Bothen", Schließlich ist Arno Schmidt doch immerhin einer der großen komischen Autoren der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts gewesen! und Sie gehören exklusiv zu den weniger als 1000 Abonnenten!

Aber nicht genug, da AS, wie oben gezeigt, fließend Spanisch sprach, empfiehlt Juan Goytisolo eine DC-ROM:



Psychologische Diagnose 1: Der arme Arno leidet zeitlebens am Mangel einer umfassenden Bildung. Sein Leiden überkompensiert er in seinem Werk.
Psychologische Diagnose 2: Bei Schmidts Längeren Gedankenspielen handelt es sich um die Ausformung einer narzißtischen Persönlichkeitsströrung. AS kämpft mit Insbrunst gegen Gott, alle seine Figuren aber haben etwas von einer Erlösergestalt im Besitz der reinen Wahrheit, die die Welt aber nicht annehmen will. Sein wütender Atheismus und seine apodiktischen Statements (etwa zu Hippies, Bauern, Studenten usw. usw.) sind der Gegenentwurf eines Gottes, wie er zu sein hätte, nämlich wie AS.



Analytische Diagnose: Alle seine pränatalen, frühkindlichen und präsenilen Traumata hätten sich dem armen kleinen Arno als überzeugten Freudianer geradezu aufdrängen müssen, aber AS hat Freud leider nicht verstanden - pardon, sicher haben wir alle des Meisters allein zutreffende Interpretationen Sigmunds nicht begriffen - gesteuert vom Unbewußten, das ja immerhin 6/7 unseres Seelenozeans ausmacht, aus dem zu 1/7 ein kleines Inselchen ragt -


Ödipus und all die anderen antiken Helden Sigmunds lassen grüßen...

Selbst-Diagnose: reine Prosa=Elefantiasis.
Sein erster Lobhudler übrigens, Alfred Andersch, in bester Gesellschaft mit AS - auch er fäschte seine Biografie infam und lobt sich selbst über den Schellenober, vgl. - bezeichnet Friedrich Sieburg, als dieser in Richtung AS fragt "Gibt es einen melancholischeren Anblick als den eines geistvollen Provokateurs, dem alle Welt recht gibt" als "größte und stinkendste Kanalratte in dem, was sich heute 'deutsche Literatur' nennt."

Bezeichnend ist eine Episode aus der Zeit der Rundfunksendungen von AS, die Andersch lanciert.
AS 1957: Schon von Knabenzeiten an hat mich – der ich ansonsten durchaus geneigt bin, Adalbert Stifter für (sic!) einen großen Mann zu ästimieren! – der ‚Nachsommer‘ geärgert.
Sehr zum Befremden Anderschs, der postwendend antwortet: „Aber mit dem ‚Sanften Unmenschen‘ haben Sie uns nun wirklich in ein außerordentliches Dilemma gestürzt. Die Verve ihres Angriffs ist, wie immer, hinreißend. Aber Heißenbüttel und ich befinden sich in der Situation von Leuten, die, von Ihnen mitgerissen, kurz vor dem Ziel stolpern und liegen bleiben und ein wenig beklommen zusehen, wie Sie den armen Stifter zurichten. Haben Sie etwas übrig für Psychologie? Dann müssen Sie verstehen, daß unsere Sympathien hier auf der Seite Stifters liegen. Außerdem erinnern wir uns eines Schmidt, der schon einmal vehement für Stifter Stellung genommen hat.“
Schmidt will das dringend benötigte Honorar für seine Arbeit nicht verlieren: Selbstverständlich habe ich auch schon einmal für Stifter Stellung genommen (und würde auch auch heute noch jederzeit einige der Studien, der Erzählungen, und meinethalben auch den Witiko rühmen!)
Einer der polemischsten Schmidt-Texte - sehr zum Ärger der Hörer - wird gesendet.

Dank gebührt Martin Henkel, der AS, den angeblich universal gebildeten Heidebewohner aus Bargfeld mit seinem fulminant geschriebenen Buch



dem viele der vorstehenden Befunde entstammen, als intellektuellen Schaumschläger enttarnt.

W. G. Sebald übrigens (vgl. ) schreibt zu Stifter und AS:
Stifters Werk ähnle demjenigen Schmidts, es habe seinen eigentlichen Schwerpunkt in einem profunden Agnostizismus und bis ins Kosmische ausgeweiteten Pessimismus. Stifter war insgeheim doch schon, ähnlich dem armen Pfarrer in Kafkas ‚Landarzt‘, mit dem Zerzupfen seiner Meßgewänder beschäftigt. Der von Arno Schmidt erhobene Vorwurf, Stifter habe mit dem ‚Nachsommer‘ ein quietistisches Werk verfaßt, dem politisch die finstere Reaktion entspreche, ziele insofern zu kurz, als diese bewusste Utopie von der Bejahung des Bestehenden soweit entfernt sei wie ihre hilflose Gestalt von dessen realer Aufhebung..



Ein harmloser Traum aus der Jugendzeit:
... oft ist die herbstlich rauschende Qeisbadeanstalt in meinen Träumen...
besagte BadeAnstalt lag in einer QeisSchlinge südöstlich der Stadt...


Abschließend lassen wir AS alias Pagenstecher nochmals selbst zu Wort kommen, der sich praktisch S[ex]=tot, nur noch ein lascher HautSchlauch voller Buchsta/ubbn!…) bezeichnet und verkündet, er sei nie ein ‚Welt‘= oder ‚Lebe=Mann‘ gewesn; habe, (weit=gehend), darauf verzichtet, zu ‚existiren‘-: Dafür versteh Ich was von Litteratour).
Denn: Ein Künstler, der was leistn – oder, wie Du/Ihr es audrückt: ‚was werdn‘ – will, muß gesellschaftlichen Selbstmord begeh‘n: Die ‚Freiheit‘ des BerufsSchriftstellers, ist imgrunde die härteste Frôn; zu der ébmso zähe Gesundheit, wie eisern=asketischer Wille gehör‘n.
Ist er was geworden, hat AS sein Postulat erfüllt?

Eines aber sollte jeder Dichter einmal leisten: ein Bild der Zeit uns zu (sic!) hinterlassen, in der er lebte!


Museumsinstallation Lauban: Siedler aus dem poln. Miltär, Wegweiser zu ihren Heimatdörfern

Kriegstragödie Niederschlesien

1940 rechtfertigt der SS-Mann Egon Holthusen (NSDAP-Mitglied) den Überfall auf Polen so:
„Der Sinn unseres Marsches war ein Jahrtausend alt. 'Nach Ostland wollen wir reiten', hatten die niederdeutschen Ordensritter und Siedler des ottonischen und stauffischen Mittelalters gesungen, und heute war es dasselbe Lied, das uns geleitete"
In der Niederschlesischen Operation vom Februar 1945 kämpft die 1. Ukrainische Front der Roten Armee gegen die deutsche Heeresgruppe Mitte. Die Rote Armee hat Ende Januar 1945 die Grenze Oberschlesiens überschritten. Seitdem befinden sich die deutschen Verbände im ständigen Rückzug Richtung West, verwickelt in andauernde Kämpfe mit den schnell vorrückenden und überholenden Einheiten der Roten Armee. Eine stabile Hauptkampflinie entlang der Oder gelingt nicht. Zwar können die Sowjettruppen Breslau nicht einnehmen, erobern aber Stellungen am westlichen Ufer der Oder und schaffen Brückenköpfe für den Großangriff.



Schlesien ist wegen der vielen Industriebetriebe von größter Bedeutung, dort liegen Zentren der Waffenproduktion und der Steinkohleförderung.
Seit Kampfhandlungen immer weiter auf das Reichsgebiet übergreifen, stellt sich die Frage der Befehlsführung, die Wehrmacht ist auf militärische Aufgaben beschränkt. Verwaltungsbefugnisse und staatliche Hoheitsrechte halten Gauleiter in Händen, nur in einer Kampfzone von etwa 20 km Tiefe ist das Feldheer ihnen gegenüber weisungsberechtigt. Deren Unfähigkeit und nicht abgestimmte Aktionen führen zur Vernachlässigung bestehender Wehranlagen. Hochwertige Kampfausrüstung und Waffen sind nicht mehr vorhanden, sie gingen am Atlantikwall verloren. Weitere Probleme ergeben sich bei der Versorgung, Beurteilung der Lage, Maßnahmen der Räumung, Evakuierung der Zivilbevölkerung oder dem Einsatz der Volkssturm-Verbände.



Schlecht ausgebildet, zusammengerufen in nicht winterfester Zivilkleidung oder alten kaiserlichen Uniformen, schwach ausgerüstet mit unterschiedlichen Beutewaffen, ohne ausreichenden Munitionsbestand, können die überwiegend älteren Männer den übermächtigen Gegner nicht aufhalten. Die Kompetenzen sind unklar geregelt, anfangs sind die Volkssturmverbände nicht der militärischen Führung unterstellt. Bilder mit Volkssturmmännern an einem Maschinengewehr MG 34 sind reine Propaganda ohne wahren Hintergrund.
Neue wesentliche Erscheinung bei den Kampfhandlungen ist die Flucht der deutschen Zivilbevölkerung vor der Roten Armee aus den Ostgebieten. Der Exodus erfasst ganze Kreise, Flüchtlingstrecks sind allgegenwärtig. Räumungsbefehle kommmen meist zu spät oder überhaupt nicht, Flüchtlinge werden anfangs in kaum 100 km entfernte Kreise transportiert, die nach kurzer Zeit selbst Kampfgebiet sind. Die schlecht organisierten, der Kälte trotzenden und bis zu 16 Kilometer langen Flüchtlingskolonnen in Richtung Sachsen und Tschechien blockieren Nachschub- und Rückzugswege des Heeres, geraten teilweise direkt in militärische Auseinandersetzungen oder werden Opfer gezielter sowjetischer Angriffe.
Den improvisierten Kampfverbänden fehlen Fahrzeuge, Artillerie und Kampferfahrung. Der Wert der teilweise aus magen- oder ohrenkranken Soldaten aufgestellten Einheiten ist äußerst zweifelhaft.



Die gut motorisierten sowjetischen Einheiten sind aus dem Raum Breslau zurückgekehrt und setzen die Angriffe mit dem Ziel Görlitz fort. Die Einheiten überschreiten die Queis, das zweite Panzer-Korps soll Lauban erobern.
Sie rücken am 17. Februar an die östlichen Stadtteile vor.
Artillerie und Luftwaffe fangen mit dem Beschuss der Stadt an, an dem Tag hat der letzte Flüchtlingszug die Stadt verlassen. Die Kommandantur evakuiert die mit dem Volkssturm operierenden HJ-Gruppen (ca. 40 meist 16-jährige) in westlich gelegene Dörfer, in Lauban beginnt ein zweiwöchiger Kampf um die Stadt. Zähe Straßenkämpfe mit Panzern, Artillerie und Luftwaffe beider Seiten führen zu weitgehenden Zerstörungen.
Die sowjetischen Einheiten kontrollieren die durch die Stadt verlaufende Bahnlinie Görlitz-Greiffenberg-Troppau und unterbrechen damit die Versorgungswege nach Oberschlesien.
Die deutschen Einheiten werden zur großen Überraschung für die sowjetischen Kommandanten durch Bahntransporte verstärkt, Lauban wird zurückerobert.
Ab Ende Februar 1945 verläuft die Front bis zur Kaptitulation entlang der Linie westlich Löwenberg, nordwestlich Lauban-Rothenburg an der Neiße bis zur Mündung in die Oder. Lauban bleibt bis Mai 1945 in deutschen Händen. Auch die Bahnlinie bis nach Mährisch-Ostrau kann weiterhin benutzt und die Versorgung aus den Industriegebieten um Rybnik, Ostrau und Waldenburg ist vorerst sicher.

Werner Mork, geb. 1921, aus Kronach schreibt 2010:
Während des Vormarschs der Roten Armee im Februar 1945 landete ich als Wehrmachtssoldat bei einer Einheit, die hieß "Panzer-Korps-Füsilier-Regiment 79". Es war eine Einheit, die als sogenannte "Feuerwehr" für Sonder-Einsätze vorgesehen war, zu denen sie direkt vom kommandierenden General eines Panzerkorps, Walther Nehring, befohlen wurde. Dieses Regiment unterstand keiner Division, sondern ausschließlich diesem General, und es wurde nur auf seinen Befehl da eingesetzt, wo es "brannte". Das Regiment war eine eigenständige Kampfgruppe mit allen dazu erforderlichen schweren und schwersten Waffen. Das war ein krasser Gegensatz zu den abgeschlafften Infanterie-Einheiten, die ich bis jetzt hatte erleben dürfen. Da gab es noch richtige Panzer, sogar den hochgelobten neuesten deutschen Panzer "Tiger", eine absolute Rarität.
Es gab auch die neuen 15-cm-Haubitzen auf Selbstfahrlafetten, es gab sogar ausreichend Schützenpanzer und auch Granatwerfer-Einheiten bis hin zu den schwersten Kalibern. Der Gipfel war der, dass diese Einheit auch noch über eigene Flak-Geschütze verfügte, der "berühmten" 8,8 cm Flak, aber nicht für eine Luftbekämpfung, sondern für den Direktbeschuss im Erdkampf gegen angreifende feindliche Panzer. Das war im militärischen Sinn gesehen eine Ausstattung, die ziemlich einmalig war, und das jetzt, in dieser Zeit erst recht.

Es geschah in der Zeit vom 1.-5. März 1945, als die Panzergruppe Nehring in Verbindung mit anderen Korps einen Gegenangriff durchführte, bei dem es gelang, die Stadt Lauban wieder zurückzuerobern, wobei ein sowjetisches Garde-Schützen-Korps fast völlig aufgerieben wurde. Auch das Panzer-Korps-Füsilier-Regiment 79 war mit dabei. Der Erfolg wurde als sensationell hingestellt, als ein Beispiel echter deutscher Feldherrenkunst, aber auch als ein Beweis dafür, dass die deutschen Soldaten noch lange nicht geschlagen waren, dass der gute deutsche Soldatengeist noch immer vorhanden war. Diese Sensation war der Anlass, dass der "Herr" Reichsminister Goebbels sich an diese Front begab, eigens aus Berlin herbeieilte, was da noch möglich war. Gemeinsam mit General Schörner und anderen Kommandeuren trat er auf und hielt vor den zu diesem Zweck versammelten Soldaten eine schöne, begeisternde Rede, die auch so ankam, bei den Landsern da in Lauban.



"Zufälligerweise" waren fast alle PK-Männer der noch im Osten vorhandenen Propaganda-Kompanien an diesem Tag in Lauban auch anwesend. Die filmten das zu Herzen gehende Geschehen, welches dann im restlichen Teil des Reiches in die Wochenschauen der Kinos kommen sollte. Alle, die es noch sehen konnten, sollten auch sehen, was geleistet worden war von den deutschen Soldaten, wobei aber noch mehr wohl daran gedacht wurde, dieses Filmmaterial ins neutrale Ausland zu schaffen, was dann vielleicht eine entsprechende Auswirkung auf die Alliierten haben könne. Die sollten beeindruckt werden von dem, was die Wehrmacht doch noch leisten konnte.
Allerdings waren Freude und Jubel über diesen "großartigen" Gegenangriff nur von sehr kurzer Dauer. Das war nur wie ein Strohfeuer gewesen, einige Tage später war alles so mies wie gehabt. Ein Augenblickserfolg, der keine kriegsentscheidende Bedeutung oder gar Auswirkung hatte, wie der Herr Goebbels es lauthals hinausposaunte unter brausendem Beifall und Heil-Geschreie der versammelten Landser. Das ist übrigens heute noch zu sehen und zu hören auf vorhandenen Film-Aufnahmen, die das Geschehen jetzt im Fernsehen noch einmal deutlich machen. Und es wurde gejubelt an dem Tag, die Begeisterung war noch zu verspüren, als wir am nächsten Tag in Lauban einrückten.
Auf dem Weg durch die Trümmer der Stadt sahen wir schreckliche Bilder von zerstörten Fahrzeugen aller Art, von Panje-Wagen mit toten Pferden und vielen toten russischen Soldaten. Nur der Marktplatz wirkte gut aufgeräumt, auf dem am Tage zuvor Goebbels seine Rede gehalten hatte. Wir sahen bei der Gelegenheit auch die amerikanischen LKWs, die den Russen von der USA geliefert worden waren, das waren die "Studebakers", gegen die unsere noch vorhandenen LKWs geradezu erbärmlich wirkten.



Wenn es eine Steigerung der Begriffe Schrecken und Grauen gibt, dann erlebte ich diese Steigerung, als ich mit zwei anderen Landsern in ein Haus ging. Was wir sahen im Keller des Hauses war grauenhaft, und wir bekamen einen furchtbaren Schock. In dem Keller lagen die Leichen von fünf nackten deutschen Frauen, denen von der Scheide her der Unterleib aufgeschlitzt worden war. Dazu waren sicher Bajonette benutzt worden. Wir waren bei diesem Anblick nicht nur von einem Grauen erfüllt, sondern auch von einer furchtbaren Wut auf die, die so gemeine, so niederträchtige Morde begangen hatten. Wir waren in einer Verfassung, in der wir Russen, wenn sie als Gefangene jetzt vor uns gestanden hätten, bedenkenlos umgebracht hätten, ohne Rücksicht darauf, ob sie die Täter gewesen wären oder nicht. Ich glaube, da wäre auch ich wohl soweit gewesen, einen anderen Menschen umzubringen. Dann hätte ich nicht mehr stolz darauf sein können, keinen Menschen auf dem Gewissen zu haben. Was wir dort sahen, war ein für uns unbegreifbares Verbrechen, das uns in eine besinnungslose Wut versetzte. Erstmals erlebte ich da, wie schnell es geschehen kann, selber völlig unberechenbar zu werden. Unsere Wut richtete sich nicht gegen eine Ideologie, die richtete sich gegen die Unmenschen, die solches getan hatten.

Adorno sagt: Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch

Wie unterschiedlich der Satz auch interpretiert wird, ob als generelles Verdikt gegen Dichtung nach dem Holocaust oder als Darstellungsverbot über Auschwitz und die Konzentrationslager in Lyrik oder als bloßes provokatives Diktum, bei derartigen "Kunstwerken" jedenfalls kommt einem der Satz Adornos in den Sinn.

Die Wahrheit:


Russen müssen sich ihr Grab schaufeln

Beim Einmarsch der Rotarmisten in Schlesien 1945 kommt es zu unzähligen Verbrechen aller Art gegen Zivilbervölkerung und Soldaten. Russen und Polen ermorden wahllos einzelne Personen oder Gruppen, vergewaltigen brutal, erschießen Flüchtlingstrecks, Menschen jeden Alters und Gechlechts. Die Sowjetsoldaten konsumieren übermäßig Alkohol, plündern und zerstören sinnlos Vieles.
„Der ersten Staffel blieb gerade Zeit, die "Uhri" und Schmückstücke einzusammeln.
Der zweite Staffel hatte es weniger eilig; ihr blieb genügend Zeit, sich an die Frauen zu machen.
Für die dritte Staffel gab's weder Schmuck noch frische Frauen mehr; doch konnte sie als Nachhut, die in der Stadt zurückblieb in aller Muße ihre Koffer mit Kleidungsstücken und Stoffen vollstopfen.“



Vor allem die nachstoßenden Verbände toben sich in unvorstellbaren Exzessen aus.
Deutsche Gegenstöße oftmals nur deswegen erfolgreich, weil sich die Sicherung des Geländes durch plündernde oder betrunkene sowjetischen Infantrie verzögert und die Soldaten ihren Aufgaben nicht nachkommen. Jedem sowjetischen Frontsoldaten steht eine Tagesration von 100 Gramm Wodka zu, darüber hinaus spielt selbstgebrannter Fusel oder erbeutete Ware eine große Rolle. In den unzähligen kleinen Betrieben der schlesischen Städten werden große Mengen an Alkohol erlangt, im Kampfeinsatzes ist Alkohol vorrangig das Problem der Infanterie und nicht selten sind Opfer des exzessiven Alkoholgenusses die Soldaten selbst oder Offiziere, die Ordnung in die Einheiten "am Rande der Auflösung" bringen wollten.



Ob allein die Enthemmung durch exzessive Alkoholkonsum zu den Morden, Vergewaltigungen und Raub führt, bleibt umstritten. Zuerst kämpfen die Soldaten jedenfalls unter der Order, Rache zu nehmen, ihre Haßgefühle auf alles Deutsche stimulieren Front- und Truppenzeitungen.
Vergeltung an den Deutschen ist Motivationsthema der Agitatoren für die immer jüngeren Rotarmisten - bis Ende 1944 werden fast alle Siebzehnjährigen rekrutiert.
Dass die Gewalttaten aufgrund besonderer Befehle verübt werden, verneint aber selbst der Bericht der Abteilung Fremde Heere Ost vom Februar 1945 und stellt fest, dass "das bestialische Verhalten einzelner Gruppen von Rotarmisten nicht auf den Befehl vorgesetzter Dienststellen zurückzuführen, sondern eine Folge der fanatischen Deutschenhetze in der UdSSR" sei.



In von den deutschen Einheiten erbeuteten Feldpostbriefen tritt als allgemeine Auffassung der Rotarmisten zutage, das alles sei die gerechten Strafe der Dutschen.
Fast alle sowjetischen Soldaten aus den von deutscher Wehrmacht 1941-1944 besetzten Gebieten erlebten die Plünderungen und Repressalien der Deutschen, verloren Familienangehörige durch NS-Verbrechen oder Verschleppungungen, was ihre Rachgefühle vermehrt. Hinzu kommen die schnelle Verrohung und Brutalisierung der Schützenverbände, auch ist die ständige Verfügungsgewalt über Waffen ursächlich für gewalttätige Ausschreitungen.
Ein weiteres Problem ist die nachlassende Truppendisziplin.
Trotz restriktiver Erlasse Ende Januar 1945 gibt es schwere Verstöße dagegen in Niederschlesien. Durch das rasche Vorgehen werden viele Ortschaften ohne nennenswerte Zerstörungen besetzt, dann aber von Rotarmisten systematisch angezündet und durch Brände verwüstet.



Beispiel Liegnitz: Erst nach der Kapitulation im Mai 1945 zwerstören infolge der "Siegesfeier" der Besatzer gelegte Brände die gesamte Altstadt. Die Zerstörungswut gilt gerade historischen Objekten oder Denkmälern historischer Persönlichkeiten, aber auch Friedhöfen.
Die für die Soldaten unbekannte Fülle vorgefundener Güter und Waren oder die Wohnverhältnisse üben ebenfalls Einfluss auf die Rotarmisten aus, sie schreiben in ihren Briefen nach Hause:
„Wo man Rast macht, überall in den Kellern findet man herrrliche Weine, Eingemachtes und Gebäck. Auf den Höfen treiben sich Schweine, Kühe, Hühner usw. herum. Wir ernähren uns sehr gut, essen zehnmal besser als die Deutschen in der Ukraine gelebt haben. Es gibt alles zu essen, es fehlt nichts. Ich trage Reitstiefel, habe mehr als eine Uhr und dabei keine einfachen Uhren; mit einem Wort: ich schwimme im Reichtum“



Die Führung von Staat und Armee erklärt ihren Soldaten den vorgefundenen Wohlstand und das hohe Lebensniveau in Deutschland mit einem "täuschenden Trugbild einer Scheinzivilisation", die Rolle der Sowjetsoldaten sei die der "Bringer der wahren Kultur" und macht deutlich, dass alle Güter aus ganz Europa von den deutschen Besatzern vorher zusammengeraubt wurden.

Arno Schmidt:
Mein Vater, als "Sergant" (mit einem wunderschönen Knebelbarte) im IR 19 ("von COUBRIÉRE") zu Lauban bei der 4. Kompanie, in der Coubriére=Kaserne" ... eine Laune des Schicksals wollt' es, daß 40 Jahre später auch ich mal 3 Monate lang dort einexerziert ward)

1938 werden die seit 1919 getrennten Provinzen Ober- und Niederschlesien wieder zur Provinz Schlesien mit der Hauptstadt Breslau vereinigt.

In der Potsdamer Konferenz stellen die Alliierten das östlich der Oder-Neiße-Linie gelegene Gebiet der Provinz Schlesien 1945 unter polnische Verwaltung. Die endgültige Festlegung der Grenze zwischen dem vereinten Deutschland und Polen soll einer abschließenden Friedenskonferenz vorbehalten bleiben. Die polnische Stellen gliedern Schlesien administrativ in ihren Staat ein, entfernen die deutschen Ortsnamen, vertreiben die deutsche Bevölkerung größtenteils oder zwangspolonisieren sie.
Ein Großteil der 4,5 Millionen Schlesier flieht ab Anfang 1945 vor der anrückenden Roten Armee.
Ab Frühsommer 1945 organisieren polnische Stellen die Vertreibung der Deutschen. Die Bierut-Dekrete ziehen das gesamte bewegliche und unbewegliche Eigentum Deutscher zugunsten des polnischen Staates ein. Im Juni 1945 werden alle Deutschen aus einem Gebietsstreifen von etwa 30 Kilometer Breite unmittelbar östlich der Lausitzer Neiße vertrieben.



Wegen der unklaren Verhältnisse kehren im Sommer 1945 viele geflohene Schlesier wieder in die Heimat zurück, vor ihrer endgültigen Vertreibung 1946 und 1947. 2002 leben noch etwa 140.000 Deutsche, 1,61 % der Gesamtbevölkerung in Schlesien.
Das Eigentum der geflohenen und vertriebenen Deutschen wird als „verlassenes bzw. herrenloses Gut“ entschädigungslos konfisziert.
Die Zahl der Opfer während der Vertreibung ist nicht exakt bekannt, man geht von einer Gesamtzahl von etwa 700.000 ungeklärten Todes- und Vermisstenfällen aus.
Im polnischen Teil Schlesiens siedeln meist Polen aus Zentralpolen und aus dem ehemaligen Ostpolen und mehrere Zehntausend der zwischen April und Juli 1947 im Rahmen der "Aktion Weichsel" aus Südostpolen umgesiedelten, bzw. von Polen vertriebenen Ukrainer, und Polen aus Bosnien, Rumänien und Frankreich, auch griechische Kommunisten. Und mehr als 100.000 polnische Juden kommen nach Niederschlesien, die meisten von ihnen wandern später in den Westen und nach Israel aus.





Wenn man Lauban verlässt und ein paar 20 km auf der 357 und dann 352 Richtung Südwest fährt, gelangt man zu einem schönen Schloss mit interessanter Geschichte (siehe ), aber das ist ein anderes Fundstück ...
Und wenn man sich dort genauer umsieht, findet man rundum vom Braunkohletagebau verwüstetes Land, das langsam wieder aufersteht, aber das ist wieder ein anderes Fundstück ...